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Kitesurfing Kiel - X-Shooter Triple XXX und der Prototyp zur neuen Masterpiece Bar

Im Interview Thorsten Wickbold alias Toddo

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1. Hi Toddo! Meine erste Frage greift erstmal ein paar Jahre zurück. Kannst Du Dich noch erinnern, als wir vor ca. 2 Jahren im Winter mit unseren selbstgebauten Prototypen am Strand gestanden und heftig über Pro und Contras unserer Shapes diskutiert haben. Hättest Du Dir damals vorstellen können, daß X-Shooter sich in so kurzer Zeit derart etablieren kann?

Auf jeden Fall erinnere ich mich noch! Es ist schon krass, was sich in so kurzer Zeit alles entwickelt hat. Ich kann mich noch an etliche Diskussionen in den letzten 2 Jahren über Bodenkurven, Outlines und neue Bauweisen mit Dir erinnern. So hast auch Du einen kleinen Beitrag geleistet, wieso X-Shooter so erfolgreich ist. Ich denke, wenn man versucht, das Hobby zum Beruf zu machen, steht eine andere Motivation dahinter. Macht man eine Sache gut und gewissenhaft, dann wird sich der Erfolg von selber einstellen. Ständig versuche ich etwas zu verbessern oder zu optimieren. Ein riesiger Schritt für X-Shooter war die Produktion nach Deutschland (Hamburg) zu holen. Die Produktion im Ausland konnte unserer Innovation der Bauweise nicht folgen. Trotz etlicher Hindernisse haben wir es jetzt wieder geschafft, uns vom Markt abzuheben und sehen sehr positiv in die Zukunft.

2. Was denkst Du ist das Rezept dafür, daß X-Shooter derart populär geworden ist. Sind es ganz alleine die Shapes oder spielt auch die Verarbeitung und das Image eine entscheidende Rolle?

Shape, Materialien, Bauweise und Verarbeitung spielen die größte Rolle beim Kunden. Daraus resultiert ein geringes Gewicht bei hoher Stabilität. Auch das Image spielt eine sehr große Rolle, wobei nicht jeder, der viele Boards verkauft automatisch ein Gutes hat. Eine sehr gute Performance ist natürlich auch sehr wichtig. Ich bringe nichts in Serie, womit ich nicht selber 100%ig zufrieden bin. Das merkt auch er Kunde, wenn er auf dem Board steht.

3. X-Shooter bietet ja seit dem letzten Herbst auch Boards an, die auf dem Stubbie Konzept aufbauen. Welchen Stellenwert hat diese neue Generation von Boards für Dich und worin siehst Du die Vorteile!

Ich bin der Meinung, dass dieses die Boards der Zukunft sind. Sie haben im Verhältnis zu Ihrer Größe einen extrem großen Einsatzbereich. Sie erlauben mit ihren Eigenschaften eine Ein-Board-Strategie. Dies vermeidet das dauernde Umstellen und einfahren auf verschiedene Boards. Nach vielen Prototypen war ich sehr überrascht, wie früh selbst ein so kleines Board losgeht und trotzdem noch solch guten Alround-Eigenschaften haben kann. Größter Pluspunkt ist jedoch die Handlichkeit. Griffmulden wird in Zukunft jeder Bretthersteller haben müssen, egal wie groß das Board ist, weil es die Handlichkeit bei allen Tricks deutlich verbessert.

4. Wie unterscheidet sich das XXX von anderen Stubbie Boards. Wo liegen die Unterschiede?

Im XXX befindet sich ein ABS Skelett (mehr als nur Kanten). Es hat eine ganz eigene Kantenform, die noch mehr Gripp ermöglicht. Jeder kann auf den ersten Blick teuerste Materialien und die Verarbeitung erkennen, weil das Board im Clearlook produziert wird. Selbst Verstärkungen können beim genaueren Hinsehen erkannt werden. Ein Retuschieren mit Farbe und Spachtel ist somit nicht möglich. Neu für Serienboards ist die Vielzahl an Optionen, z.B. die Auswahl von Schlaufen, Finnen und Pads. Damit man dem Board noch eine ganz persönliche Marke geben kann, sind hunderte von Farbkombinationen durch die Aufkleber unten und Logos oben möglich. Somit kann der Kunde sich sein eigenes Unikat zusammenstellen.

5. Die Formel "kurz = radikal" ist ja immer noch in vielen Köpfen fest verankert. Für welche Könnerstufe ist das Triple X geeignet! Für welche Bedingungen und welchen Windbereich ist das Board ausgelegt!

Beim XXX habe ich darauf geachtet, einen möglichst großen Windbereich abzudecken. Wer die ersten Sprünge versucht, wird sich schnell wohl fühlen und überrascht sein, wie einfach er fährt. Für gute Fahrer sind keine Grenzen gesetzt. In Welle und Flachwasser fühlt sich das Board gleichermaßen wohl. Das Board verträgt auch große Kites z.B. Rhino04 20.0. Bei einem Gewicht von etwa 77kg geht der Spaß bei ca. 4 Windstärken los. Und wann er aufhört, konnte ich noch nicht feststellen...auf jeden Fall muss es jenseits von oberen 8 Windstärken sein.

6. Was kann das XXX am besten?

Das Board hält die Kante extrem gut, perfekt für "BIG AIRS". Kites ausbremsen ist auch lustig...interessant zu sehen, wenn ein 20er Rhino 4 kollabiert und die Ohren zusammenklatschen... Es liegt auch sehr gut in der Hand für die ganzen Board-Offs. Aber am wichtigsten ist immer noch die gesamte Abstimmung.

7. Alle reden von "New School". Was ist das überhaupt und kann man den XXX Shape dort einordnen?

Wenn damit Kiteloops und Wakestyle gemeint ist, dann werden die New School rider in dem XXX ein gelunges Board finden. Es ist aber nicht nur auf New School zu beschränken, denn es ist ein absoluter Allrounder.

8. Wird es neben dem XXX weitere Boards von X-Shooter geben?

Ja. Als Einsteigerboard, Leichtwindboard und für schwere Kiter, haben wir das XXL (150x40) und für Aufsteiger das XXM (136x37,5) entwickelt. Bei beiden Boards war die Zielsetzung, sehr neutrale Fahrleistungen und einfache Kontrolle bei bestmöglicher Performance. Auch diese Boards werden ausschließlich in Deutschland in gleicher Bauweise wie das XXX gebaut. In der nächsten Kiteboarding wurde der XXL getestet. Ich bin sehr gespannt, wie die Tester das Board beurteilen.

9. Noch ein Blick in die Zukunft! Wird es Deiner Meinung nach 2004 großartige Neuerungen bei den Boards geben oder haben wir jetzt so langsam alle Möglichkeiten ein Board zu bauen ausgeschöpft?

Ich denke die Entwicklung 2004 wird sich etwas verlangsamen. Bin mir aber sicher, dass auch dieses Jahr die eine oder andere Überraschung auf uns zukommt. Denn wer hätte vor 2 Jahren gedacht, dass 120er Boards so easy funktionieren können.

10. In El Gouna habe ich Dich ja mit einem neuen Prototyp der X-Shooter Bar erwischt. Wird die neue Bar ein völlig neues Konzept sein?

Ein vollkommen neues Konzept ist es nicht. Die X-Shooter Bar 2004 "Masterpiece" basiert auf dem vorherigen Grundideen, sprich auf der Möglichkeit, die Bar nach Rotationen komplett auszudrehen, aber eine Safety Leash immer verbunden ist. Die Bar wurde jetzt den Bedürfnissen der neuen Tricks und den Ansprüchen der Rider angepaßt. Ein neues Konzept ist aber die Safety Leash für unhooked und Handle-Passes. Der sogenannte "Remote Release" ist eine Neuentwicklung, mit der X-Shooter neue Maßstäbe in der Sicherheitsfrage setzt.

11. Worin liegen die wichtigsten Neuerungen? Die neue Bar hat ja so viele Features, daß ich mir nur die Hälfte merken konnte.

In der Vergangenheit gab es des öfteren Kritik über den fehlenden Adjuster, obwohl die vorherige Lösung (Balldepower) einwandfrei funktionierte. Die neuen Adjuster sind absolut einfach und schnell bedienbar.

Neu ist der "Thumb Spok". Wer sich bei Sprüngen gern "zuhakt" oder einfach mehr Power haben will, kann sich jetzt bequem mit dem Daumen zuhaken. Spok steht für: Spinnable Power Hook. Somit kann man sogar zugehakt rotieren und die Bar wieder ausdrehen. Selbstverständlich kann man dann immer noch den Wichard auslösen. Um sich aus dem Haken zu lösen, braucht man nur minimal an der Bar zu ziehen.

Bei dem vorherigen Modell war es schon immer möglich, den Stopper bei der Depowerlänge zu adjustieren. Neu bei der "Masterpiece" ist, dass man dies jetzt sogar während der Fahrt machen kann, um den perfekten Trim für die vorherrschenden Bedingungen zu finden. Dies dient auch dazu, dass man nun sicherer Starten und Landen kann, denn der Depowerweg wird um einiges größer. Auch für Kiten in Wellen ist dies ein größer Vorteil.

Ein Nachteil bei dem vorherigen Modell war auch, dass man keine "unhooked" Sprünge machen konnte. Mehr und mehr wollen dies heutzutage tun, deswegen hat die "Masterpiece" unterhalb des Wichard einen Loop, der auslösbar ist, und somit auch als letzte Auslösung dient, um sich komplett vom Kite zu trennen.

Der zuvor erwähnte "Remote Release" ist aber die absolute Neuheit. Diese Safety Leash für unhooked Manöver hat viele Einsatzbereiche. Einsteiger können sie direkt an einem Durchläufer einer Steuerleine befästigen, somit können sie unhooked den Kite starten, und falls etwas passiert, einfach die Bar loslassen und der Kite hängt an der Safety Leash. Man kann sich auch direkt an den Wichard machen, somit können vorsichte unhooked Kiter den Wichard sofort auslösen, wenn sie die Bar nicht erwischen. Dann hängt der Kite auch gleich an der Safety Leash und weht aus. Das interessanteste ist aber, dass nun auch in Wettbewerben unhooked Tricks sicher gemacht werden können, ohne andere gleich in Gefahr zu bringen. So klinken sich die heutigen Fahrer mit einer Power Leash in den Depowerloop ein. Wenn ein Trick nicht klappt und sie die Bar loslassen müssen, dann hängen sie an einem Kite der immer noch volle Power entwickeln kann. Falls nun eine Gefahrensituation aufkommt, würden sie die Leash abtrennen und der Kite würde wegfliegen, und kann im schlimmsten Fall Dritte verletzten. Um solchen Situationen vorzubeugen, kann man beim Masterpiece Remote Release eine Auslösung betätigen, die den Wichard auslöst und der Kite dann an der Safety ausweht. Bei herkömmlichen Handle-Pass Leashes gibt es entweder nur gleich auswehen, oder im Depowerloop hängen und komplettes trennen vom Kite. Jetzt kann der Rider z.B. im Heat seinen Kite weiterfahren oder in der Notsituation den Wichard bedienen, damit der Kite ausweht. Natürlich gibt es auch hier eine Notauslösung, mit der man sich komplett vom Kite trennen kann.

12. Denkst Du nicht, daß so viele Funktionen den ein oder anderen überfordert. Kann man die Bar auch ggf. auf das nötigste "abrüsten" und dann später nach Bedarf Funktionen hinzufügen?

Nicht jeder macht unhooked Tricks, weshalb man erstmal auf die unhooked Leash verzichten kann. Alle anderen Auslösungen und Funktionen sind oder sollten Standard sein.

13. Die Saison steht vor der Tür. Wie weit sind die Tests abgeschlossen? Ist der Prototyp schon serienreif oder wird es noch ein paar Änderungen geben?

Es wird gegenüber dem Prototypen noch kleine Änderungen geben, die die Teamfahrer noch verbessert haben wollen. Dazu wird die Bar noch ein neues, edles Design bekommen. Die Produktion wird in den nächsten Wochen anlaufen und schnell lieferfähig sein, denn die Bar wird komplett in Deutschland gebaut und moniert, um den Ansprüchen einer Safety Bar auch in der Qualität und Zuverlässigkeit gerecht zu werden. Es wird eine Größe von maximal 55cm geben, die aber je nach Kundenwunsch individuell gekürzt werden kann.

14. Abschließend muß ich Dir mal ein Lob aussprechen! Ich finde es verdammt mutig von Dir, dass Du Dich weiterhin einem so wichtigen und auch verantwortungsvollen Themas widmest. Weiter so..

olli

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